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Ich lebe doch noch

27.11.2018

Bewegende Theateraufführung in der Markuskirche

„Ich lebe doch noch!“

Die wahre Geschichte der Hanna Mandel und ihr Leben nach Ausschwitz

Es war 75 Minuten sehr still. Ca. 140 Besucherinnen und Besucher verfolgten am 13.11.2018 sichtlich bewegt die eindrucksvolle Aufführung des Theater Odos aus Münster „Ich lebe doch noch!“ in der Markuskirche. Eingeladen hatte die Evangelische Markuskirchengemeinde gemeinsam mit dem Katholischen Bildungswerk Oberhausen und weiteren Kooperationspartnern. Das Stück über die KZ-Überlebende Hanna Mandel hinterlässt Spuren. Überzeugend bringen die beiden Schauspielerinnen Judith Suermann und Sarah Giese auf die Bühne, wie die Zeit der Deportation ins KZ Ausschwitz das weitere Leben von Hanna Mandel geprägt hat. Die Grauen des Holocaust werden in verschiedenen kurzen szenischen Dialogen so dicht und überzeugend nahegebracht, dass sich niemand der Anwesenden entziehen konnte. Wie die menschenverachtende Gewalt des Systems durch Menschen verkörpert und ausgeführt wurde, kommt immer wieder unmissverständlich zur Sprache. „Warum streichelst Du nie eine Katze?“ wird Hanna Mandel von ihrer Tochter Eszter gefragt. Die Frage fordert die Mutter heraus sich zu erinnern. Und vor ihren Augen erscheint das Bild, wie eine KZ-Aufseherin mit der einen Hand eine schwangere Frau auspeitscht, während sie mit der anderen Hand eine Katze streichelt. Es sind diese verdichteten Bilder, die dieses Stück so besonders machen. Heiko Ostendorf ist auf der Basis von Gesprächen, die der Theologe Norbert Reck mit Hanna Mandel geführt hat, eine Inszenierung gelungen, die ein überzeugendes Statement gegen das Vergessen und Verdrängen und für ein solidarisches und menschliches Miteinander auf die Bühne bringt. Das wäre sicher auch im Sinne von Hanna Mandel gewesen, die nicht müde wurde, in Schulen und weiteren öffentlichen Veranstaltungen genau diese Botschaft weiter zu tragen. Es ist ermutigend, dass das Stück mit starken Szenen endet, in denen Hanna Mandel sich gemeinsam mit ihrer Tochter demonstrativ und lautstark für eine atomwaffenfreie Welt und gegen jede Form rechter Propaganda, wie sie sich heute selbst im Bundestag durch die AFD öffentlich zur Schau stellt, einsetzen und zum öffentlichen kreativen Protest aufrufen.

Es macht Mut, dass sich im anschließenden Gespräch sichtlich bewegt auch viele Jugendliche zu Wort meldeten und zu einer klaren Haltung gegen das Vergessen und für ein solidarisches Miteinander aufriefen.

Durch die Förderung durch das Bundesprogramm „Demokratie leben“ war der Eintritt zu diesem Theaterabend frei. Dafür ein ganz herzliches Danke-Schön!

 

 

Foto: Vorschaubild zur Meldung: Ich lebe doch noch